Ein zukunftsweisendes Gesundheitsmodell

Recht, Wirtschaft, Kultur: In diese drei Bereiche gliedert sich nach anthroposophischer Auffassung der "soziale Organismus" - also das gesellschaftliche Zusammenleben und Zusammenwirken der Menschen. Den drei Bereichen sind die Ideale der französischen Revolution zugeordnet:

  • Das Prinzip der Gleichheit soll das Rechtsleben regeln (Staat, Recht, Politik)
  • Brüderlichkeit oder - moderner ausgedrückt - Solidarität soll das Wirtschaftsleben durchdringen (Landwirtschaft, Industrie, Handel, Gewerbe)
  • Freiheit schliesslich soll die gesamte Kultur oder das Geistesleben bestimmen (Kunst, Bildung, Wissenschaft, Spiritualität)

Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, hat dieses dreigliedrige Gesellschaftsmodell 1919 unter anderem in seiner Schrift "Die Kernpunkte der sozialen Frage" ausführlich dargestellt. Er unternahm auch den Versuch, am Ende des Ersten Weltkriegs eine politische Bewegung ins Leben zu rufen, um mit diesen Impulsen die Zukunft Mitteleuropas neu zu gestalten. Die Idee der sozialen Dreigliederung fand damals nicht den erhofften Widerhall und wurde gesellschaftlich-politisch nicht umgesetzt. Sie hat von ihrer Aktualität jedoch nichts eingebüsst und ist zu einem Pfeiler anthroposophischer Weltorientierung geworden.

In vielen anthroposophischen Institutionen werden Ansätze der sozialen Dreigliederung umgesetzt. So hat bei den Steiner-Schulen die Freiheitsidee einen hohen Stellenwert in der Pädagogik, während die Finanzierung der Schulen durch ein solidarisches Beitragssystem erfolgt. Aus Dreigliederungsimpulsen entstanden auch eigenständige soziale Einrichtungen - in der Schweiz zum Beispiel eine gemeinnützige Bank und das Qualitätssicherungsmodell "Wege zur Qualität", das für Schulen, Heime und Spitäler entwickelt wurde. Und auf dem Gebiet der Organisationsentwicklung haben die aus der Dreigliederungsidee inspirierten Arbeiten von Bernard Lievegoed und Friedrich Glasl in Europa grosse Verbreitung gefunden.